Munich Network Symposium 'The Pursuit of Innovation'
Knapp 150 Unternehmer, Forscher und Entwickler, Investoren und Interessierte aus anderen Bereichen der Wirtschaft trafen sich am 14. Juni 2007 beim Munich Network Symposium im Botanikum an der Feldmochinger Straße zur 'Jagd nach Innovationen'. Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres setzte sich das Münchner Unternehmernetzwerk für Gründung, Wachstum und Wertentwicklung von Technologieunternehmen mit dem Thema 'Innovation' auseinander. Nach den vorausgegangenen Fragestellungen 'Wie treibt Entrepreneurship Technologien und Innovationen zum Markterfolg?' und 'Finanzierung von Innovationen' partizipierten die Teilnehmer diesmal im Botanikum von den ganz pragmatischen Erfahrungen und Einsichten erfolgreicher Technologieunternehmen beim Innovationsmanagement.
Dr. Hermann Sterzinger, Leiter des Business Development und Partnermanagement erläuterte den New Business Development Prozess seines außerordentlich erfolgreichen Unternehmens Giesecke & Devrient. In seiner über 100-jährigen Erfolgsgeschichte erlebte das Münchner Unternehmen bereits vier große Innovationswellen. Als Banknotendrucker 1852 gestartet befasst sich das Unternehmen seit 1960 auch mit dem Handling von Banknoten und bietet dazu entsprechendes Equipment an. Die Entwicklung und Produktion von Kreditkarten und den dazugehörigen Services in den frühen 80´ern war für Giesecke & Devrient eine sog. 'disruptive' Innovation; denn bei erstem Hinsehen drohte die Kreditkarte das angestammte Banknotengeschäft zu kannibalisieren. Der Beginn der mobilen Informations- und Kommunikationstechnologie forderte das Unternehmen abermals zu neuen Innovationsanstrengungen beim mobilen Zahlungsverkehr. G&D ist heute ein global agierendes Unternehmen, dem zig Millionen von Menschen, Institutionen und staatlichen Einrichtungen auf der ganzen Welt die Sicherung ihrer Werte und Vermögensgegenstände anvertrauen. Auf der 'Jagd nach Innovationen' ist das Unternehmen geleitet von seinem Grundsatz, wonach Innovation Teil seiner Geschichte und seiner Strategie ist. In seinen Innovation Management Prozessen geht G&D sehr stringent vor. Die Herausforderung für neue Produkte und Lösungen geht immer von den sich ständig verändernden Umwelt- und Umgebungseinflüssen seiner Kunden aus. Bei der Arbeit, zu Hause oder unterwegs. In seiner Innovationsstrategie sucht G&D gezielt nach Produkten und Lösungen, die vor allen Dingen eine Premium Marge erwarten lassen, in das strategische Produktportfolio passen, bestehende Regeln brechen und zudem die starke Marke 'Giesecke & Devrient' stärken. In ihrem Development Prozess reifen Ideen aus einem weiten Trichter, von einem ersten Business Case über ein frühes Kunden-Engagement nach dem Funktionsbeweis letztlich zu einem konkreten Businessplan.
Der Endkunde, also der Anwender, steht bei Webasto ganz im Zentrum des Innovationsgeschehens. Das Unternehmen wurde 1901 als Hersteller von Fahrradteilen und Haushaltswaren aus Draht und Eisen gegründet. Mit auch in den letzten Jahren nahezu konstanten zweistelligen Wachstumsraten setzte Webasto zuletzt in 2006 als weltweit führender Automobilzulieferer knapp 1,6 Mrd. EUR um. Die Brutto-Aufwendungen für Forschung und Entwicklung betrugen in den letzten drei Geschäftsjahren immer knapp unter oder über 8 % vom Umsatz. Dabei bewegt sich Webasto im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der Endkunden einerseits und der Automobilindustrie, deren Vertriebs- und Entwicklungsstrukturen andererseits sowie einem immensen Kostendruck. In seinem am Anwender ausgerichteten 'Outside In' - Innovationsprozess sucht Webasto unter mehr als 1000 Endkunden seine knapp 20 sogenannten 'Lead User' aus. Mit ihnen arbeitet das Unternehmen in Workshops. Dabei geht es ebenso um das Finden neuer Ideen wie auch um deren Bewertung.
Innovation ist eines der Unternehmensziele des Rosenheimer Technologieunternehmens KATHREIN. Seit 88 Jahren ist das Familienunternehmen kontinuierlich gewachsen und hat seine Kompetenz in der Entwicklung und Herstellung von Antennen und zugehöriger Elektronik zur weltweiten Präsenz ausgebaut. Zur Firmengruppe gehören heute 58 Unternehmen. Mit über 7000 Mitarbeiter erzielte das Unternehmen zuletzt in 2006 1,3 Mrd. EUR Umsatz. Wie in vielen erfolgreichen Unternehmen bewegt sich auch KATHREIN im Konflikt wo das Hüten der aktuell erfolgreichen Produkte den Elan bei der Suche und Entwicklung neuer Produkte und Lösungen erschwert. Das vor einigen Jahren eigens eingerichtete Ressort 'Innovationsmanagement' hat sich bei KATHREIN nicht bewährt und wurde als 'fremdes Organ' abgestoßen. Für Georg Schell, Leiter Technologieentwicklung bei KATHREIN, sind es vor allen Dingen auch die 'weichen' Faktoren, die den Innovationserfolg seines Unternehmens bestimmen: Freiräume schaffen für neue Ideen, offen Kommunikation fördern, Informationen und Wissen teilen, sich über di Schultern schauen lassen, kurze Informationswege, Wissensmanagement auf dem Flur und in der Kaffee-Ecke. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter des Unternehmens die Probleme der Kunden kennen, wo der Wettbewerb steht und wie hoch der Preisdruck ist.
Die Unternehmen, die Alexander Samwer mit seinen beiden Brüdern Marc und Oliver bisher gründeten, haben sich ausgezahlt. Zuerst gründeten sie das Internetauktionshaus Alando, später den Klingeltonanbieter Jamba!. Beide Firmen wurden später von US-Unternehmen gekauft: Alando nach wenigen Monaten für geschätzte 25 Millionen Euro von Ebay, Jamba! für 273 Millionen von Verisign. Seither haben die Samwer-Brüder nach neuen Geschäftsmöglichkeiten gesucht und sich dabei in den USA und Asien umgeschaut. Nach dem im kalifornischen Silicon Valley gängigen Modell, wo viele erfolgreiche Unternehmer ihr Geld in Start-ups investieren und den jungen Firmen dann auch aktiv zur Seite stehen, haben sie eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, den European Founders Fund. Bis zu 150 Millionen Euro wollen sie investieren. Für die einzelnen Engagements liegt die Summe bei 100 000 bis maximal fünf Millionen Euro pro Firma. An neun Firmen hat sich der Fund schon beteiligt. Neben studiVZ.net zum Beispiel auch an der Berliner myphotobook GmbH und e-sport aus Hamburg. Sie investieren in die Bereiche Internet und Mobilfunk und glauben an den Online-Spielemarkt, an Netzwerke wie studiVZ.net, an Spiele für das Handy und an Marktplätze wie die Devisenhandelsplattform Oanda. Oanda ist ein US-Unternehmen, das die Samwers beim Eintritt auf den europäischen Markt unterstützen wollen.
Eine große Vision ist die Triebfeder der Innovation von PlasticLogic. 'We´ll change how the world reads'. Stuart Evans, Gründer-Geschäftsführer und heute Vice-Chairman des jüngsten Stars aus Cambrigde, war der Hauptredner des Munich Network Symposiums. PlasticLogic ist eine Ausgründung des Cavendish Lab der Cambridge University. Im Jahr 2000 gegründet besitzt das Unternehmen heute 58 Patente und Patent-Applikationen. Alles hervorgegangen aus einer über 10-jährigen Forschung und Entwicklung in Plastic Electronics. Mit über 60 Mitarbeitern besitzt das Unternehmen heute das größte und erfahrendste Team an Plastic Electronic Experten. Venture Capital Funds investierten zuletzt 100 Mio. $ für den Aufbau eines Werkes, das Ende 2008 in Dresden die Produktion aufnehmen wird. Die grundlegende Innovation des Unternehmens ist eine Plastikfolie, dünn, leicht und robust, mit Elektronik gespickt, die als Display für elektronische Zeitungen fungiert. Das Ziel dieser PlasticLogic-Innovation ist es, Technologien für Druck-Elektronik in der Massenanwendung zu liefern und dafür eine Low-Cost-Produktion einzurichten. Stuart Evens leitet aus dem PlasticLogic-Erfolg folgende Innovations-Regeln ab: Suche Dir Kunden für Deine Innovation schon beim Start. Beachte, dass ein geprüftes Konzept noch keinen Prototypen abgibt und schon gar nicht ein Produkt. Orientiere Dich immer am 'Big Prize'. Bleibe ständig innovativ und erfinderisch. Entwickle Teams innerhalb von Teams. Fokussiere Dich auf industrielle Strukturen und suche Dir 'low cost' Kapital.
