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26.04.07

Munich Network Forum 'Mobilität - Zukunft Luftfahrt' am 26. April 2007

Category: Märkte & Technologien

Blauer Himmel, Sonnenschein und interessierte Stimmung herrschten am Donnerstag, 26. April in der Halle C auf dem Rollfeld des Münchner Flughafens vor. Rund 160 Gäste des Munich Network Forums 'Mobilität - Zukunft Luftfahrt' lieferten die Experten aufschlussreiche Statements und Diskussionen.

In seiner emotional engagierten Rede machte der Schirmherr der Veranstaltung, der Bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, Erwin Huber, deutlich, dass Bayern seine Verpflichtung ernst nimmt, eine hervorragend ausgebaute Verkehrsinfrastruktur mit bester Einbettung in das europäische Verkehrsnetz vorzuhalten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der 13. Exportrekord mit Ausfuhren über 140 Mrd. EUR belegt eindeutig die Herausforderung, auch künftig reibungslosen Zugang zu den Absatzmärkten in der ganzen Welt zu finden. Der Dienstleistungssektor globalisiert ebenso und Mobilität ist auch hier ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Und als zentrales europäisches Drehkreuz muss der Flughafen München eine hervorragend ausgebaute Verkehrsinfrastruktur vorhalten. Neben einer Vielzahl von Herausforderungen für die Luftfahrt adressierte der Minister auch die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Transrapidstrecke Hauptbahnhof - Flughafen im 10-Minuten-Takt. Hier bietet sich für München eine einmalige Chance, seine Positionierung als international herausragender Technologiestandort zu stärken. Das Transrapidprojekt, so Minister Huber, geht also planmäßig voran und die Verhandlungen zum Finanzierungskonzept laufen parallel.

Peter Trautmann, Geschäftsführer Verkehr und Technik der Flughafen München GmbH berichtete eindrucksvolle Wachstumszahlen im Luftverkehr. Zusammen mit den indirekten und induzierten Arbeitsplätzen hängen heute in Deutschland bereits rund 850.000 Arbeitsplätze von der Luftfahrt ab. Und bis 2020 können in der Luftfahrt weitere 411.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Allein am Flughafen München können die Arbeitsplätze von derzeit 27.400 auf 41.000 im Jahr 2020 wachsen. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate im Passagieraufkommen beträgt in München seit 1992 6,9 % und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt in Deutschland. Zu den Herausforderungen zählte Peter Trautmann die erforderliche Vereinfachung der Genehmigungsverfahren und einen deutlich spürbaren Bürokratieabbau. Im Rahmen des 'Single European Sky' -Programms braucht es nach Trautmann eine Deregulierung der Towerdienste ebenso wie eine Europäische Sicherheitsstrategie und die gegenseitige Anerkennung von Sicherheitsstandards.

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Cargo AG unterstrich ebenfalls das rasante Wachstum in der Luftfahrt. Die Relation Asien - Europa ist die am drittstärksten wachsende Verbindung und der Flughafen München ist dabei für den Umsteigeverkehr von zentraler Bedeutung. Die Bedrohung für den deutschen Jobmotor Luftfahrt sieht Carsten Spohr in den rasanten Kapazitäten, die im Nahen Osten mit unvorstellbarer Dynamik aufgebaut werden.

In einem spannenden Vortrag zeichnete Prof. Joachim Szodruch, Mitglied des Vorstands der DLR die Herausforderungen und Ziele der europäischen Luftfahrt bis 2020: Hinsichtlich Qualität und Kundenkomfort braucht es niedrigere Preise, eine größere Auswahl für die Passagiere und eine kürzere 'Time to Market' neuer Produkte. Für die Umwelt zielt man auf eine 50 %ige CO2 - Reduktion sowie auf eine Halbierung der Geräuschsemissionen. Für mehr Sicherheit arbeitet man an einer 80 %igen Reduzierung der Luftfahrt-Unfälle sowie an einer drastischen Abnahme menschlicher Fehler und seiner Konsequenzen.

Seit 1992 konnte dank ständiger Flotten-Modernisierung der Brennstoffverbrauch pro Passagier und 100 Kilometer Flugstrecke um mehr als 30 % reduziert werden. Und obwohl die Luftfahrt nur einen ganz geringen Anteil zu den Treibhausgasen beiträgt, unterstrich Prof. K. Broichhausen, Vorstand des Bauhaus Luftfahrt e.V. die Verantwortung dieser Industrie, sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Dazu erläuterte er die Schritte, in denen der Energieverbrauch ebenso wie die Emissionen bis zum Jahr 2020 halbiert werden.

Unter dem Titel 'Informationstechnik = Mobilitätstechnik' erläuterte Prof. Manfred Broy von der Technischen Universität München sehr anschaulich wie sehr Software in der Luftfahrt an den unterschiedlichsten Stellen beiträgt. So werden z.B. 30 % der Herstellkosten eines Flugzeuges von Elektronik und Software bestimmt und alle Innovationen von Elektronik und Software getrieben.