Mit unserer Interview-Reihe möchten wir Ihnen nach und nach die Akteure des Munich Network näher vorstellen und Ihnen Experten-Einblicke in verschiedene Branchen, die jeweiligen Zukunftsthemen sowie in die Kollaboration von Startups und etablierten Technologie-Industrie-Unternehmen geben.

Unser heutiger Interview-Partner ist Dr. Ralf Hasler, CEO der Lacon Gruppe

Find the English version below 


Die Lacon Gruppe agiert mit einem breiten Produkt- und Serviceportfolio in einem hochspezialisierenden Elektronikmarkt des Electronic Manufacturing Services (EMS). Was ist der unverwechselbare Lacon-Kern Ihres Angebots? Welches Geschäftsmodell sichert Lacon seinen Erfolg? 

Wir verstehen Elektronik und die Lösung dahinter – und zwar von der Idee bis zum globalen Roll-out. Die Lacon Gruppe bietet ein breites Portfolio an Dienstleistungen rund um die Entwicklung und Fertigung von elektromechanischen und elektronischen Baugruppen und Geräten für die Investitions- und Gebrauchsgüterindustrie. Den Grad und die Intensität unserer Dienstleistung – und damit auch die Partnerschaft – bestimmt dabei der Kunde. Manche wollen eine kostengünstige Fertigung einer exakt definierten Baugruppe. Andere kommen mit einem groben Konzept und wünschen sich einen Spezifikationsworkshop, in dem die Grundlagen für ein Gerät geschaffen werden. Die Hard- und Software dieses Geräts wird dann entwickelt, Funktionsmuster und Validierungsmuster gebaut, Stücklisten erstellt und Herstellkosten ermittelt.

In den vergangenen 10 Jahren hat die Lacon Gruppe mehr als 20 High Tech Startups bei Prototyping, Industrialisierung und Serienfertigung begleitet. Wie gestaltet sich die Kooperation mit Startups in Ihrem Unternehmen? Sind Sie eher an Beteiligungen oder Projektkooperationen interessiert?

Formal läuft die Zusammenarbeit mit Startups wie ein normales Auftragsverhältnis ab: der Kunde möchte ein Baugruppe in definierten Stückzahlen über einen bestimmten Zeitraum beziehen. Der Unterschied zu einem etablierten Industrieunternehmen ist, dass das Gestaltungspotenzial in der Zusammenarbeit mit einem Startup wesentlich höher ist. Das bedeutet vor allem, dass viele junge Unternehmen zu mir kommen und wirklich klasse Ideen haben. Manche bringen auch schon Prototypen mit und die meisten haben bereits konkrete Vorstellungen, wie sie auf den Märkten mitspielen wollen. Dann kommen wir ins Spiel: Im nächsten Schritt prüfe ich den Business Plan und stimme mich mit verschiedenen Abteilungsleitern und Business Developern ab, um den Startups maximale Unterstützung für ihre Ideen zu bieten. Im Anschluss daran gehen wir die verschiedenen Ebenen der Partnerschaft an.

Wir kümmern uns um die Themen Hard-/ Software, das Engineering und den wichtigen Bereich Marketing. Vor allem, wenn es um die Produktion geht, müssen wir oft erst drei Schritte zurückgehen, bevor eine industriell saubere Grundlage gelegt ist: Zum einen befindet sich das Gerät oder die Baugruppe häufig noch in einem Zustand, der nicht serientauglich ist. Lacon agiert bei vielen Startups als erfahrener Industrialisierungspartner und unterstützt den Transfer von einem Prototyp, der bestenfalls für einen Proof of Concept herhalten kann, in ein Serienprodukt, das auf den Zielmärkten profitabel und erfolgreich sein kann. Zum anderen sind wir in der Regel Supply Chain Partner. Das Startup fokussiert sich auf Produkt- und Marktentwicklung, die Supply Chain wird durch Lacon bereitgestellt. Diese Fokussierung reduziert das Risiko und verkürzt die Time-to-Market. Die Lacon Gruppe selber beteiligt sich nicht an den Startups, die sie betreut. Gelegentlich beteilige ich mich persönlich mittels meiner Beteiligungsgesellschaft als Early Stage Investor. Derzeit habe ich vier Angel Investments, zwei davon im Bereich erneuerbare Energien.

Was leistet Lacon im Falle einer Partnerschaft und was leistet das Startup? Welche ist dabei typischerweise die Rolle von Startups und welche nimmt Lacon ein?

Je freier und unbefangener die Lacon als Fulfillment-Partner die Produktrealisierung und -fertigung gestalten kann, umso mehr kann sich das Startup auf seine Kernkompetenz fokussieren: Funding, Sales, Technologieentwicklung. Eine absolute Win-Win Situation.

In der Vergangenheit hat die Lacon Gruppe in einigen Fällen als Absatzpartner agiert. In einem reinen B2B-Geschäft hat ein Startup ungeachtet seines innovativen Produkts häufig die Schwierigkeit, sich als Lieferant zu qualifizieren. Hier kann Lacon als etabliertes mittelständisches Unternehmen unterstützen. Der Vertragspartner des Startup-Kunden ist dann die Lacon. Wenn das dem Startup-Kunden mit der entsprechenden Transparenz und Offenheit mitgeteilt wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auf diesem Wege ein belastbarer Absatzkanal für die ersten Umsätze oder für einen Proof-of-Concept entsteht.

Die Lacon stellt die Produkte des Startups her und verkauft diese direkt an den Startup-Kunden. Das Startup erhält eine vorher vereinbarte Royalty. Dies ist kein skalierbares Modell, erleichtert aber einem Startup den Markteintritt und vermindert das kommerzielle Risiko für den Dienstleister (also die Lacon). Natürlich müssen jeweils im Einzelfall Gewährleistungs- und Produkthaftungsrisiken sorgfältig geprüft werden. Häufig sind es Befürchtungen einer hohen Abhängigkeit seitens des Startups, die derartige Symbiosen verhindern. Rückblickend glaube ich, dass die Chancen durch einen rascheren Markteintritt und wesentlich bessere Zugkraft höher sind als die Risiken, die sich durch die hohe Abhängigkeit aus Wahrnehmung der Gründer und deren Investoren ergeben können.

Wie finden Sie die Startups, die zu Lacon passen?

Tatsächlich ist die Lacon als potenzieller Partner für Hardware Partner für junge Unternehmen attraktiv und diese kommen aktiv auf uns zu. Unser Vertrieb spricht aber auch gezielt Startups an, deren Produkte gut zu uns passen. Auch die Vorstellung bei Investoren erbringt manchmal eine gute Ansprachemöglichkeit. Die wesentliche Botschaft an die Investoren: wir machen Ihre Investition sicherer!

Sie sind mit Lacon seit Anfang 2018 aktives Mitglied im Munich Network. Welche Erwartungen haben Sie heute an das Munich Network insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation?

Grundsätzlich ist ein Netzwerk wie das Munich Network durch die Sichtbarkeit und das Kennenlernen von anderen Menschen und Unternehmern an sich wertvoll und bereichernd. Trotz aller Digitalisierung ist unser Lebens- und Unternehmersinn ein sozialer: Wir wollen alle diese Welt lebenswert machen und mit unseren Ideen, Dienstleistungen und Produkten zu einer höheren Lebensqualität beitragen, die Umwelt schützen und Wohlstand fördern. Ich glaube an den Zusammenhalt, den Menschen in solchen Netzwerken finden können, um zusammen mehr zu sein als alleine.

Deshalb erwarte ich auch persönliche Impulse von anderen Mitgliedern und von den Veranstaltungen, um daraus wiederum Chancen für mein Unternehmen abzuleiten. Wenn diese Impulse nicht nur aus Ideen oder geistigen Anregungen bestehen, sondern im besten Falle auch noch mit belastbaren Kontakten zu potenziellen Innovationspartnern oder Kunden einhergehen, dann sind diese Impulse ungleich wertvoll.

Trotz digitaler Transformation sind für mich dabei die direkten Kontakte essentiell. Selbst in einem Zoom Meeting ist für mich ein authentischerer Kontakt zu einer anderen Person und deren Ideen möglich, als wenn der gleiche Inhalt nur durch eine Datenbank präsentiert wird.

Wir bedanken uns bei Dr. Ralf Hasler für das sehr spannende Interview und seine Einblicke!


English version

With our interview series, we would like to introduce you to the players of Munich Network and give you expert insights into various industries, the respective future topics as well as the collaboration of startups and established companies.

Today’s interview partner is Dr. Ralf Hasler, CEO of the Lacon Group

The Lacon Group operates with a broad product and service portfolio in a highly specialized electronics market of Electronic Manufacturing Services (EMS). What is the distinctive Lacon core of your offer? What business model ensures Lacon’s success? 

We understand electronics and the solution behind it – from the idea to the global roll-out. The Lacon Group offers a broad portfolio of services related to the development and manufacture of electromechanical and electronic assemblies and devices for the capital goods and consumer goods industries. The degree and intensity of our service – and thus also the partnership – is determined by the customer. Some want a cost-effective production of a precisely defined assembly. Others come with a rough concept and want a specification workshop in which the basics for a device are created. Then the hardware and software for this device is developed, functional and validation samples are built, parts lists are created and manufacturing costs are determined.

In the past 10 years, the Lacon Group has supported more than 20 high-tech startups in prototyping, industrialization and series production. How does the cooperation with startups look like? Are you more interested in investments or project cooperations?

Formally, the collaboration with startups runs like a normal contractual relationship: the customer wants to purchase an assembly in defined quantities over a certain period of time. The difference to an established industrial company is that the creative potential is much higher when working with a startup. That means, above all, that many young companies come to me and have really great ideas, some even bring prototypes with them, and most of them already have concrete ideas about how they want to play in the markets. That’s when we come in: In the next step, I review the business plan and coordinate with various department heads and business developers to provide the startups with maximum support for their ideas. After that, we tackle the different levels of the partnership. We take care of the hardware/software, the engineering and the important area of marketing.

Especially when it comes to production, we often have to go back three steps before an industrially clean foundation is laid: On the one hand, the device or assembly is often still in a state that is not suitable for series production. Lacon acts as an experienced industrialization partner for many startups and supports the transfer from a prototype, which at best can serve as a proof of concept, to a series product that can be profitable and successful in the target markets. On the other hand, we are usually the supply chain partner. The startup focuses on product and market development, while the supply chain is provided by Lacon. This focus reduces the risk and shortens the time-to-market. The Lacon Group itself does not invest in the startups it supports.

Occasionally, I participate personally through my investment company as an early stage investor. I currently have four angel investments, two of them are in the renewable energy sector.

What does Lacon provide in the case of a partnership and what does the startup provide? Which is the typical role of startups and what role does Lacon play?

The more freely and unbiased Lacon as a fulfillment partner can shape product realization and manufacturing, the more the startup can focus on its core competencies: Funding, sales, technology development. An absolute win-win situation.

In the past, the Lacon Group has acted as a sales partner in some cases. In a pure B2B business, a startup often has the difficulty of qualifying as a supplier, regardless of its innovative product. This is where Lacon, as an established medium-sized company, can provide support. The contractual partner of the startup customer is then Lacon. If this is communicated to the startup customer with the appropriate transparency and openness, it is probable that a resilient sales channel for the first sales or for a proof of concept will be created in this way

Lacon manufactures the startup’s products and sells them directly to the startup’s customer. The startup receives a pre-agreed royalty. This is not a scalable model, but it makes it easier for a startup to enter the market and reduces the commercial risk for the service provider (i.e., Lacon). Of course, warranty and product liability risks must be carefully examined in each individual case.

It is often fears of high dependency on the part of the startup that prevent such symbioses. In retrospect, I believe that the opportunities from a faster market entry and much better traction are higher than the risks that can arise from the high dependency as perceived by the founders and their investors.

How do you find the fitting startups?

In fact, Lacon is attractive to young companies as a potential partner for hardware partners, and they actively approach us. However, our sales department also specifically addresses startups whose products are a good fit for us. Presentations to investors also sometimes yield a good approach. The essential message to investors: we make your investment more secure!

With Lacon, you have been an active member of Munich Network since the beginning of 2018. What expectations do you have of the Munich Network today, especially in light of the digital transformation?

Basically, a network like the Munich Network is valuable and enriching in itself through the visibility and getting to know other people and entrepreneurs. Despite all the digitalization, our sense of life and entrepreneurship is a social one: We all want to make this world worth living in and contribute to a higher quality of life, protect the environment and promote prosperity with our ideas, services and products. I believe in the cohesion that people can find in such networks, to be more together than alone.

That’s why I also expect personal impulses from other members and from the events, so that I can in turn derive opportunities for my company from them. If these impulses consist not only of ideas or intellectual stimuli, but in the best-case scenario also go hand in hand with resilient contacts to potential innovation partners or customers, then these impulses are incomparably valuable.

Despite digital transformation, direct contacts are essential for me. Even in a Zoom meeting, I find that contact with another person and their ideas is more authentic than if the same content is only presented through a database.

We would like to thank Dr. Ralf Hasler for the highly interesting interview!