>>Nachgefragt beim Munich Network Vorstand – Teil 1: Dr. Rudolf Freytag, Chief Executive Officer, Siemens Technology Accelerator GmbH

Nachgefragt beim Munich Network Vorstand – Teil 1: Dr. Rudolf Freytag, Chief Executive Officer, Siemens Technology Accelerator GmbH

Mit unserem ersten Vorstandsgespräch starten wir eine Interview-Reihe, mit der wir Ihnen nach und nach die Akteure des Munich Network näher vorstellen und Ihnen Experten-Einblicke in die Kollaboration von Startups und etablierten Technologie-Industrie-Unternehmen geben möchten.

Unser heutiger Experte ist Dr. Rudolf Freytag, Chief Executive Officer bei der Siemens Technology Accelerator GmbH und seit Dezember 2016 Mitglied im Vorstand des Munich Network.


Herr Dr. Freytag, wie hat sich der Markt im Bereich der Kollaboration zwischen Startups und Unternehmen in den letzten Jahren bis heute entwickelt? Welche waren die markantesten Veränderungen?

Dr. Rudolf Freytag

Dr. Rudolf Freytag

Kooperationen zwischen Startups und etablierten Unternehmen sind attraktiv für beide Seiten.

Ein Startup kann über ein etabliertes Unternehmen Zugang zu Kunden, Branchen-Know-How, Technologien und Fertigungskapazitäten bekommen, die es in der Form auch für viel Geld nicht kaufen könnte. Auch die Finanzierung durch einen Corporate bis hin zu einem späteren möglichen Exit kann für den Geschäftsaufbau eines Startups von enormer Bedeutung sein.

Umgekehrt sind für etablierte Unternehmen Startups ein „Blick in die Zukunft“, um neue Trends und Geschäftsmodelle frühzeitig zu erkennen. Häufig ist die Zusammenarbeit mit Startups auch die beste Möglichkeit für einen Corporate, neue Geschäftsmodelle außerhalb der bestehenden Unternehmensorganisation zu testen.

Die Erkenntnis, dass auf diese Wiese echte Win-Win-Partnerschaften zwischen Startups und etablierten Unternehmen entstehen können, hat sich in den letzten Jahren auf breiter Front durchgesetzt, sodass derartige Kooperationen mittlerweile ein unverzichtbares Innovations-Instrument geworden sind.

Sie haben enorme Erfahrung mit der Kollaboration von Startups und Technologieunternehmen (Ausgründung, Inside-out-Innovation, etc.): Wo sehen Sie die Schlüsselelemente für eine erfolgreiche Zusammenarbeit?

Kooperationen zwischen Startups und etablierten Unternehmen können nur dann dauerhaft gelingen, wenn sie von beiden Seiten als echte Win-Win-Partnerschaft angelegt sind, d.h. insbesondere auf Augenhöhe erfolgen.

Deshalb sollten beide Seiten bereits bei der Verhandlung der Partnerschaft sehr genau auf die „Strategische Balance“ achten. Damit meine ich das Gleichgewicht zwischen den „Strategischen Vorteilen“ und den „Strategischen Kosten“, die eine solche Partnerschaft mit sich bringt.

Für ein Startup können sich aus einer Partnerschaft mit einem etablierten Unternehmen als „Strategische Vorteile“ zum Beispiel ein Zugang zu sonst nicht erreichbaren Kundengruppen oder eine schnellere Produktentwicklung ergeben. Dem gegenüber könnte für das Startup z.B. aber als „Strategische Kosten“ stehen, dass es dem Partner einen Einblick in Kundenprojekte gewähren muss oder dass aufgrund der Partnerschaft der direkte Wettbewerber des Partners als Finanzinvestor nicht mehr in Frage kommt. In ähnlicher Weise muss sich auch das etablierte Unternehmen die Frage nach der „Strategischen Balance“ der Partnerschaft stellen. Das ist die entscheidende Basis für eine langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit.

Was würden Sie Unternehmen, die eine Kollaboration mit Startups anstreben, mitgeben?

Grundvoraussetzung ist eine auf Vorstandsebene getragene, klare Strategie, was mit der Zusammenarbeit mit Startups erreicht werden soll und welche Instrumente man einsetzen möchte. Es ist natürlich ein großer Unterschied, ob man ausschließlich auf Kooperationen setzen möchte oder diese zusätzlich durch den Aufbau eines Corporate-Venture-Capital-Arms auch durch Finanzinvestitionen in Startups begleiten möchte. Besonders wichtig ist auch eine realistische Vorstellung darüber, in welchen Zeiträumen welche Ergebnisse erzielbar sind und welche Risiken diese Aktivitäten bergen.

Für etablierte Unternehmen, die mit Startups arbeiten wollen ist es deshalb sehr vorteilhaft, wenn sie dies nicht alleine tun, sondern mit einem starken Netzwerkpartner wie Munich Network zusammenarbeiten. Für Win-Win-Partnerschaften mit Startups braucht es nämlich ein Netzwerk in die Startup-Szene weltweit, das ein einzelnes Unternehmen für sich in der Form alleine kaum aufbauen könnte. Es braucht aber auch ein Netzwerk zu Unternehmen, die ähnliche Interessen verfolgen aber nicht im direkten Wettbewerb stehen, weil auf diese Weise ein höchst wertvoller Best-Practice-Erfahrungsaustausch entstehen kann.

Was ist die Mission der Siemens Technology Accelerator GmbH, deren CEO Sie sind?

Für Siemens sind Startups bereits seit über 20 Jahren ein wichtiges Element der Innovationsstrategie in den Feldern von Automatisierung, Digitalisierung und Elektrifizierung.

Die Einheit next47 bei Siemens, die mit einem Fonds von über 1 Mrd. Euro ausgestattet wurde, deckt dabei über Investitionen in Startups und Kooperationen mit Start-ups die Richtung „outside-in“ ab und erschließt so Startup-Innovationen für Siemens.

Für „inside-out“ ist der Siemens Technology Accelerator zuständig. Wir kommerzialisieren innovative Siemens-Technologie extern, indem wir Startups gründen, die dann mit Venture Capital finanziert werden, oder indem wir Technologien verkaufen oder lizenzieren. Auf diese Weise entstehen neue innovative Geschäfte, von denen Siemens über den reinen Kommerzialisierungserlös hinaus in vielen Fällen als Kunde innovativer Produkte profitiert.


Wir bedanken uns ganz herzlich bei Dr. Rudolf Freytag für das Interview.

2018-12-03T08:54:06+00:00