Unsere Interview-Reihe ist zurück! Nach und nach möchten wir Ihnen die Akteure des Munich Network näher vorstellen und Ihnen Experten-Einblicke in die Kollaboration von Start-ups und etablierten Technologie-Industrie-Unternehmen geben.
Unser heutiger Experte ist Lamin Ben-Hamdane, Head of Start-up Cooperation & Partnerships bei Infineon und seit 2019 Mitglied im Vorstand des Munich Network.

Find the English version below 


Infineon bietet mit „Inno.Wafer“ ein Start-up-Kooperationsprogramm an. Welche Möglichkeiten eröffnet das Programm für Start-ups?

Das Wort Wafer steht als Symbol für die Halbleiterindustrie. Die Innovationen, die wir gemeinsam mit Start-ups vorantreiben wollen, gehen allerdings weit über die reine Halbleitertechnologie hinaus. Dazu gehören das Vorantreiben von Energieeffizienz und Elektromobilität, Mensch-Maschine-Kommunikation oder Industrie 4.0. Das sind nur einige Anwendungen, die auf unseren Power-, Sensorik- und Sicherheitslösungen beruhen.

Besonderes Interesse haben wir an Start-ups, die hardware-nah arbeiten. Also z.B. hardware-basierte Systeme entwickeln, oder aber innovative Softwarelösungen bieten, Expertise in „embedded“ Software oder Künstlicher Intelligenz haben. Start-ups aus dem Halbleiter- oder Industrie 4.0 – Bereich sind ebenso spannende Partner für uns.

Letztlich sind für erfolgreiche Start-ups drei Dinge wichtig: Kapital, Coaching und Businesspartner. Kapital und Coaching bekommen sie in erster Linie durch Venture Capital Investoren. Infineon unterstützt Start-ups als ein verlässlicher Geschäftspartner mit einer im Tech Bereich weltweit bekannten Marke. Darin besteht der Hauptnutzen, den wir Start-ups bieten. Wir sind ein Halbleiter-Unternehmen mit Know-how und Kunden in verschiedenen Industrien, einem weltweiten Sales & Marketing Netzwerk sowie einer globale Fertigung.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Infineon?

Nach einem ersten Kennenlernen und bei gegenseitigem Interesse geht es im ersten Schritt  um eine technische Kooperation. Wir definieren gemeinsam ein erstes Projekt von ein paar Monaten. Ergebnis kann ein Proof-of-Concept oder ein Demonstrator sein. Infineon liefert relevante Komponenten in Verbindung mit technischer Beratung. Daraus kann sich im nächsten Schritt eine gemeinsame Go-to-Market-Strategie entwickeln. Längerfristig kann die Zusammenarbeit zu einer dauerhaften Geschäftsbeziehung führen. Start-ups werden zu Kunden, Lieferanten oder R&D-Partnern.
Interessierte Start-ups können sich gerne mit uns über unsere Infineon Start-up-Seite in Verbindung setzen.

Was sind die Vorteile für Infineon in einer Kooperation?

Infineon bekommt frühe Einblicke in sich entwickelnde neue Hardware – Applikationen. Das hilft uns, neue Anforderungen an unsere Produkte besser zu verstehen. Und letztlich geht es natürlich um die Generierung von neuem Geschäft.

Wichtig ist es darüber hinaus, unser Software Ökosystem rund um unsere Produkte zu stärken. Dabei profitieren wir von Know-How im Software & KI-Bereich der Start-ups. Und das macht uns wiederum auch für unsere existierenden Kunden attraktiver. Ein aktuelles Beispiel ist unsere Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Start-up Oculii, mit deren Software die Auflösung für 77GHZ-Radare im Bereich Automotive signifikant erhöht werden kann.

Start-ups mit interessanten Lösungen im Bereich Industrie 4.0 wie Luminovo helfen uns, unsere Entwicklungs-, Produktions-& Logistik Prozesse zu optimieren. Speziell in dieser Kategorie achten wir darauf, dass die Start-ups schon etwas reifer sind und wir die Lösung ohne Probleme in der Fertigung und gegebenenfalls global skalieren können.

Was genau sind Ihre Tätigkeitsfelder als Head of Start-up Cooperation & Partnerships?

Internes Netzwerken mit unseren Geschäftsbereichen und Operations ist besonders wichtig, um die wichtigen Innovationsthemen zu verstehen. Mit diesem Wissen blicke ich auf das Start-up Ökosystem und filtere relevante Start-ups heraus. Diese bringe ich dann mit den richtigen Leuten bei Infineon an einen Tisch, um konkrete Ansatzpunkte einer Kooperation zu identifizieren.

Auf Infineon Corporate-Ebene geht es auch darum, die richtige Infrastruktur bereit zu stellen, um mit Start-ups effizient zusammenarbeiten zu können. Damit meine ich Start-up-freundliche Prozesse, Verträge, etc., die für beide Seiten ohne große Diskussionen akzeptabel sind.

Aus Ihrer Erfahrung heraus: Wo sehen Sie die Schlüsselelemente für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Corporates?

Ganz wichtig ist sicherlich die enge Verbindung des Start-ups zu den relevanten Leuten in den Geschäftsbereichen. Nur wenn diese mitziehen, kann eine langfristig erfolgreiche Geschäftsbeziehung aufgebaut werden, die auch bei Infineon einen Business Impact hat. Dieser Match ist oft gar nicht so leicht zu finden, aber wenn er gelingt, ist er umso nachhaltiger.

Darüber hinaus muss man sicher ein gutes Erwartungsmanagement betreiben und transparent machen, welches Interesse Infineon an der Kooperation hat, was wir bieten können und was nicht.

Wie können Netzwerke wie Munich Network hier unterstützen und worin besteht die Relevanz Ihrer Meinung nach?

Bei Munich Network treffen sich viele Corporates sowie Start-ups. Den Austausch zwischen Großunternehmen zu Herausforderungen & Best Practices, z.B. im Bereich Start-up Kooperationen sehe ich als sehr wertvoll an.

Dann ist natürlich der Kontakt zu Start-ups aus ganz Europa zu vorher definierten Technologiethemen immer wieder spannend. Daraus ergeben sich unter Umständen potentielle Kandidaten für zukünftige Kooperationen oder, wie bei uns im Falle von Merus Audio, sogar eine Übernahme.

Herzlichen Dank an Lamin Ben-Hamdane für das spannende Interview!


English version

Our interview series is back! Bit by bit, we would like to introduce you to the players of the Munich Network and give you expert insights into the collaboration between start-ups and established technology industry companies.

Our current expert is Lamin Ben-Hamdane, Head of Start-up Cooperation & Partnerships at Infineon and part of the Munich Network´s Board of Directors since 2019.

With “Inno.Wafer” Infineon offers a start-up cooperation program. Which opportunities does the program open up for start-ups?

The word “wafer” is a symbol for the semiconductor industry. However, the innovations we want to drive together with start-ups go far beyond pure semiconductor technology. They include the advancement of energy efficiency and electro-mobility, man-machine communication, or Industry 4.0 – just to name a few of the applications based on our power, sensor and safety solutions.

We are particularly interested in start-ups that work close to hardware. For example, developing hardware-based systems or offering innovative software solutions, having expertise in embedded software or artificial intelligence. Start-ups from the semiconductor or Industry 4.0 sector are exciting partners for us as well.

In the end, three things are important for successful start-ups: capital, coaching and business partners. They get capital and coaching primarily from venture capital investors. Infineon supports start-ups as a reliable business partner with a globally recognized brand in the tech sector. This is the main benefit we offer start-ups. We are a semiconductor company with know-how and customers in various industries, a worldwide sales & marketing network and global manufacturing.

How does cooperation with Infineon look like?

After getting to know each other and in case of mutual interest, the first step is a technical cooperation. Together we define a first project over a few months. The result can be a proof of concept or a demonstrator. Infineon delivers relevant components in combination with technical consulting. In the next step, this can develop into a joint go-to-market strategy. In the longer term, the cooperation can lead to a long-term business relationship. Start-ups become customers, suppliers or R&D partners.
Interested start-ups are welcome to contact us via our Infineon Start-up page.

What are the advantages of a cooperation for Infineon?

Infineon gets early insights into developing new hardware applications. This helps us to better understand new requirements for our products. And ultimately, it’s all about generating new business, of course.

It is also important to strengthen our software ecosystem around our products. Thereby we benefit from the start-up´s know-how in the software & AI area. And that in turn makes us more attractive for our existing customers. A current example is our cooperation with the American start-up Oculii, whose software can significantly increase the resolution for 77GHZ radars in the automotive sector.

Start-ups with interesting industry 4.0 solutions such as Luminovo help us to optimize our development, production and logistics processes. Especially in this category, we make sure that the start-ups are already a little more mature and that we can scale the solution without problems in production and, if necessary, globally.

What exactly is your scope of activities as Head of Start-up Cooperation & Partnerships?

Internal networking with our business units and operations is particularly important in order to understand the important innovation issues. With this knowledge I look at the start-up ecosystem and filter out relevant start-ups. Afterwards I connect them with the right people at Infineon to identify concrete starting points for cooperation.

At Infineon corporate level, it’s also about providing the right infrastructure to work efficiently with start-ups. By this I mean start-up-friendly processes, contracts etc. that are acceptable to both sides without much discussion.

From your experience: Where do you see the key elements for a successful cooperation between start-ups and corporates?

First of all the close connection between the start-up and the relevant people in the business units is certainly pretty important. Only if these people are involved a long-term successful business relationship can be established that also has a business impact at Infineon. This match is often not that easy to find. But if it is successful, it is all the more sustainable.

In addition, you certainly have to have a good expectation management and be transparent about Infineon’s interest in the cooperation, what we can offer and what not.

How can networks like Munich Network support this and what is the relevance in your opinion?

Many corporates and start-ups meet at Munich Network. I consider the exchange between large companies about challenges and best practices, e.g. in the field of start-up cooperation, highly valuable.

Then the contact with start-ups from all over Europe on previously defined technology topics is always exciting, of course. Under certain circumstances, this may result in potential candidates for future cooperation or, as in the case of Merus Audio, even a takeover.

Many thanks to Lamin Ben-Hamdane for the exciting interview!